Kapelle zum "Herrgott in der Ruh"
Schwabegg besaß schon sehr früh neben der normalen Pfarrkirche
eine Kapelle "Zu unseres lieben Herrn Ruhe". Diese stand am
nordöstlichen Ortsausgang - am Kapellenweg. Allerdings wurde
diese Kapelle im Zuge der Flurbereinigung als "altes Glump" vom
damaligen Kreisbaurat abgerissen.
So war nichts mehr von den winzigen Gotteshäuschen übrig als der
Gartenbauverein unter Leitung von Alois Hampp 1991 die Idee eines
Neubaus einer "Herrgottsruh-Kapelle" realisierte.
In der Erinnerung der älteren Dorfbewohner ist auch noch
verankert, daß die Kapelle kein Türmchen besaß, vielmehr mit
einem Kreuz bekrönt war. Ein einheimischer Hobby-Chronist, der
seine Recherchen in dieser Angelegenheit bereits bis nach Rain am
Lech ausgedehnt hatte, verstarb, als er gerade begann, fündig zu
werden. Der Überlieferung zufolge ging der Gründung ein kleines
Mirakel voraus: ein Pferdefuhrwerk aus den Stauden soll einstmals
den Berg hinuntergefahren sein. Die Zugtiere seien bei dem
beängstigenden Tempo, welches das Fuhrwerk an der damals noch
schärferen Kurve erreichte, durchgegangen. Dort, wo die Rösser
dann unbeschadet zum Stehen gekommen waren, sei zum Dank die
Kapelle erbaut worden.
Gönner, Hand- und Spanndienste
Schon "zehn Jahre im Sinn" hatte Hampp den jetztigen Neubau
gehabt, dessen Ausführung wegen des neuen Standorts zunächst
jedoch auf Widerstand stieß. Von der Planung bis zur Vollendung
vergingen dann nurmehr zwei Jahre. Keine "Normkapelle und
Dutzendware" wollten die rund 150 Vereinsmitglieder
erstellen. Sie sollte vielmehr die alten, bäuerlich-ländlichen
Bauten ergänzen. Ein jeder engagierte sich für das ehrenwerte
Ziel aus Leibeskräften.
Den Grundstock für das Gelingen lieferten zunächst die
Landwirtseheleute Xaver und Ida Keck mit der Stiftung des
Grundstücks. Der Augsburger Architekt Gerhard Bestier, gemeinhin
auf Industriebauten spezialisiert, entwarf nun drei oder vier
Pläne, "alle kostenlos und ohne Murren", die einige Maurer unter
Federführung von Xaver Engel dann in die Tat umsetzten. Der
ortsansässige Putzer Gerhard Ziegler und ein paar Fachkollegen
gingen zunächst zwar mit schlechtem Gewissen an die geforderte
"handschriftliche" Ausführung heran, waren jedoch "hintennach
sehr stolz" auf deren großartige Wirkung.
Handgeschmiedete Gitter trug Schmiedemeister Josef Dischler zum
Schutz der Christus-Figur bei: binnen zwei Jahren hatte der Bauer
und Schnitzer Max Schedler eine Kopie der wertvollen Figur aus
der Mickhausener Herrgottsruhkapelle angefertigt. Der
Glasermeister Norbert Sattler lieferte mundgeblasene
Fensterverglasungen, die vom Schmiedemeister Herbert Ankermüller
gefaßt wurden. Fichtenholzbänke für insgesamt acht Betende
stellte der Schreiner Martin Stammel junior her. Deren alte,
zunächst wurmstichige Wangen hatte man aus einer
Kirchenentrümpelung in Haberskirch erstehen
können. Österreichische Arbeiten stellen Schloß, Türklinken,
Angeln sowie Beschläge nach alten Vorbildern dar. Die Türe selbst
schuf der Schreiner Hans Schießler. Keine Mühen scheute, als
einer der "Ideenfabrikanten", Werner Schrupp, um die Handwerker
auf alte Techniken einzuschwören.
Noch mit Glockenstrang kann schließlich der in Heilbronn
gegossene Klangkörper in Schwingung versetzt werden. Pater Waldo
von Ottilien trat als Stifter der offensichtlich bereits
vielbegangenen, handgehauenen Solnhofer Bodenplatten
auf. Zahlreiche Dorfbewohner beteiligten sich mit "Hand- und
Spanndiensten" am Werk, und so mancher, der dazu nicht in der
Lage war, betätigte sich als großzügiger Gönner.
Die Weihe
Wie ihre Vorgängerin, so wurde zuletzt auch die neue, schmucke
Kapelle dem "Hergott in der Ruh" gewidmet, und auch den
Patroziniumstag, jeweils am Dreifaltigkeitssonntag, acht Tage
nach Pfingsten, behielt man bei. Jährlich zur "Kepelle-Kirchweih"
soll von nun an eine Messe dort abgehalten werden. Nach
vollbrachter Arbeit sind die Schwabegger begreiflicherweise stolz
auf "etwas, das außer ihnen niemand hat".
Am 14. Juni 1991 war dann der feierliche Tag herangekommen, an
dem, bei "Kaiserwetter", das "Kepellefest" erstmals begangen
wurde. Kaplan Frank Faulhaber hielt aus diesem Anlaß eine, wie zu
hören war, "wundervolle und humorvolle" Predigt. Zur Glockenweihe
stieg der Gottesmann sogar furchtlos auf eine bereitgestellte
Leiter. Anschließend an die geistlichen warteten sodann auf alle
die leiblichen Genüsse "drunten" im Gasthaus Mayer.
Entgegen so manchem durchaus verständlichen Wunsch nach
Aufstellung persönlicher Gegenstände im Kirchlein möchten die
Erbauer ihr Juwel stilrein und sparsam dekoriert belassen, wofür
sie ihre Mitbürger um Verständnis bitten.
Karin Winkler, Stadtzeitung, 09/1992

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Blick nach Südosten. Links (Osten) sieht man die Kirche von
Schwabmünchen und den Sportflugplatz, im Vordergrund in der
Mitte die Schwabegger Mühle und rechts den Hang, der den
Rand der Lech-/Wertachebene darstellt.
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